Informationen zu Sucht und Suchtkrankenhilfe

Was ist Sucht?

Das volle Ausmaß einer Alkohol-, Medikamenten oder Drogenabhängigkeit ist nicht zu erfassen, wenn wir nur an den akuten Gehirnvergiftungszustand im Rausch oder an die schweren chronischen Folgeerkrankungen von Leber, Nieren und Gehirn denken. Der ganze Mensch ist krank!

Körperlich zeigt sich das in schwer gestörten Stoffwechsel- und Organfunktionen.

Psychisch werden Empfindungs- und Handlungsmöglichkeiten immer stärker eingeschränkt.

Die soziale Einbindung in Familie und Gesellschaft zerreißt, weil keine Verantwortung für sich selbst und andere mehr übernommen werden und Konsequenzen auf andere abgeschoben werden.

Die spirituelle Dimension eines Lebens verschwindet, weil der Blick über den augenblicklichen Bedürfnishorizont hinaus nicht mehr möglich ist. So verlieren sich Werte, Lebensziele und das Wissen um ein sinnvolles Leben.

Nicht stoffgebundene Abhängigkeiten wie Arbeitssucht, Beziehungssucht, Sexsucht, Kaufsucht, Spielsucht und zu einem bestimmten Anteil auch die Eßstörungen sind ebenfalls Erkrankungen des ganzen Menschen mit Ursachen, Symptomen und Auswirkungen in allen hier aufgeführten Bereichen des Menschseins.
Ab einem bestimmten Stadium einer Suchtkrankheit sind diese zerstörerischen Veränderungen fixiert und bestimmen den Lebensablauf eines Süchtigen.

Wie helfen wir Suchtkranken?

Hilfe für suchtkranke Menschen - und in gewissem Umfang auch für deren Angehörige - muß, wenn sie mehr als eine kurzfristige Entlastung sein soll, bei einer ganzheitlichen, ehrlichen Sicht auf den Kranken und die Krankheit ansetzen. So vielschichtig die Störungen sind, so vielschichtig muß auch die Behandlung sein.

Grundbedingung für eine aussichtsreiche Behandlung ist das persönliche Einverständnis des Kranken und die Bereitschaft zur Veränderung.

Um diesen Ausgangspunkt zu erreichen, ist Motivationsarbeit nötig. Das kann in persönlicher Beratung oder in einer geschulten (Gemeinde-)Gruppe geschehen. Menschliche Zuwendung ist dafür unerläßlich.

In medizinischen Facheinrichtungen kann Entgiftung erfolgen und körperliche Folgeerkrankungen behandelt werden. Ein Training zur Stärkung des Abstinenzwillens während dieser Zeit ist wünschenswert.

Wenn der kranke Körper frei von der akuten Gifteinwirkung ist, kann die eigentliche Suchttherapie beginnen. Sie ist eine psychosoziale Behandlung mit dem Ziel, daß Menschen wieder leben lernen (ohne Suchtmittel). Diese Entwöhnungsbehandlung sollte als Einzel- und/oder Gruppentherapie unter professioneller Leitung stehen. Verschiedene Methoden, die dem Suchtkranken menschliche Achtung entgegenbringen, ihm die Zeit zur Entwicklung gewähren und die Realität nicht aus dem Blick verlieren, sind hierfür geeignet.

Bei den nicht stoffgebundenen Abhängigkeiten sind die Schritte der Hilfe, abgesehen von der körperlichen Entgiftung, entsprechend.

Was können Gemeinden tun?

Menschliche Begleitung z.B. durch engagierte Laien in einer Kirchengemeinde ist für Betroffene und ihre Familien auch während der Zeit professioneller Behandlung wichtig.

Sie brauchen während dieser schwierigen Zeit des sich Veränderns Gesprächspartner, Unterstützer, Vertrauenspersonen und Menschen, die für sie und mit ihnen beten und hoffen. Das ist m.E. die wichtigste Aufgabe für christliche Gemeinden, die suchtkranken Menschen helfen wollen.

In der Begegnung mit Abhängigen erfahren Christen mehr von ihrer eigenen Gefährdung, ihren verborgenen Abhängigkeiten und ihrer Hilfsbedürftigkeit und lernen dabei auch mit sich selbst ehrlich umzugehen.

Eine Gemeinde, die ihre Werte und Ziele von Gott prägen läßt - und auch danach lebt, kann Betroffenen und Mitbetroffenen zur Heimat werden. Im weiten Horizont der Liebe, die Gott schenkt, können Menschen zu einem sinnvollen und erfüllten Leben finden.

Im Auftrag der Fachgruppe Suchtkrankenhilfe

Dr. med. Annegret Klaiber